02.09.2010
Sonderausstellung „Zähne“ startet
MÜNCHEN (BIERMANN) – Fast ein ganzes Jahr lang können sich Besucher im Paläontologischen Museum München über Hieb- und Bissfestes aus der Entwicklungsgeschichte informieren.
Die neue Sonderausstellung „Zähne“ präsentiert bis zum 20. Juni 2011 weithin unbekannte Aspekte aus der mehr als 500 Millionen Jahre langen Entwicklungsgeschichte der Zähne. In der Ausstellung finden sich unter anderem Zähne und Gebisse von Wirbeltieren wie Haien, Dinosauriern und Säugetieren, aber auch die zahnartigen Organe wirbelloser Tiere.
Er könne anhand eines einzigen Zahnes das Skelett des zugehörigen Tieres rekonstruieren, soll der französische Wissenschaftler Georges Cuvier (1769-1832), einer der Begründer der Paläontologie, einmal gesagt haben. Auch wenn diese Behauptung etwas hoch gegriffen sein mag, lassen die Zähne tatsächlich Rückschlüsse auf die Lebensweise des Organismus zu. So können ausladende Stoßzähne ein Hinweis auf Schaukämpfe oder tatsächliche Auseinandersetzungen sein.
Auch die Kost spiegelt sich im Gebiss wider: Pflanzenfresser benötigen hohe Zähne mit vielen feinen Schneidekanten, um hartes Grünzeug zu zermahlen, während Fleischfresser auf Fang- und Reißzähne angewiesen sind. Der Mensch dagegen ist – zumindest dem Gebiss nach – ein Allesfresser.
Für Paläontologen sind Zähne zudem sehr attraktiv, weil sie oft alleine als härtester Teil des Körpers die Jahrmillionen überdauert haben. „Schon vor mehr als 200 Jahren hat die Wissenschaft den Wert dieser Informationsquelle erkannt“, sagt Dr. Gertrud Rößner von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie/GeoBio-Center der LMU München. „Von vielen ausgestorbenen Wirbeltieren weiß man nur, weil ihre Zähne überdauert haben. Die überwältigende Formenvielfalt fossiler und heutiger Zähne zeichnet aber auch wichtige Anpassungen im Nahrungserwerb sowie Nahrungswettbewerb und damit weite Strecken der Entwicklungsgeschichte nach.“
Wie sind Zähne überhaupt im Kieferknochen befestigt und woraus bestehen sie? Die Ausstellung präsentiert Meilensteine in der Entwicklung der Zähne, erklärt deren Aufbau und auch die diffizilen Prozesse der Zahngewebebildung. Schwerpunkte sind auch die Mikrostruktur des außerordentlich widerstandsfähigen Zahnschmelzes, das effiziente Kauen, der integrierte Abrieb sowie die Besonderheiten der menschlichen Kauapparatur.
Die Sonderausstellung „Zähne“ im Paläontologischen Museum München, Richard-Wagner-Straße 10 läuft bis zum 20. Juni 2011. Geöffnet ist die Ausstellung montags bis donnerstags von 8:00 bis 16:00, freitags von 8:00 bis 14:00 und jeden ersten Sonntag im Monat von 10:00 bis 16:00.
